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Kosmos Chemnitz - Wir bleiben mehr

Chemnitz. Das Chemnitz bunt sein kann hat die Stadt bei dem Event „Kosmos Chemnitz – Wir bleiben mehr“ am 04.07.2019 ein weiteres Mal gezeigt.  „50.000 Chemnitzer*innen und Gäste aus der ganzen Republik kamen zusammen und zeigten eine weltoffene, bunte und engagierte Stadtgesellschaft“, hieß es in der Pressemitteilung nach dem Event. Bei verschiedenen Konzerten spielten unteranderem Herbert Grönemeyer, Alligatoah, Tocotronic, Joris und viele andere Bands. „KOSMOS CHEMNITZ – WIR BLEIBEN MEHR präsentierte ein facettenreiches Programm, bei dem Musik, Kultur, Sport und gesellschaftlicher Dialog gleichberechtigt nebeneinander standen und jeder Form von Diskriminierung, Rechtsradikalismus und Rassismus eine Absage erteilten“, so die zuständige Pressestelle. Neben viel Musik auf den verschiedenen Bühnen gab es auch andere Programmpunkte, welche sehenswert waren und zum Mitmachen und Diskutieren einluden. „Der Vormittag war von Familienaktivitäten, Diskussionen, Workshops und Gesprächsrunden geprägt, zahlreiche Galerien und Kunststätten öffneten ihre Türen.„, heißt es in der Pressemitteilung. Die Veranstalter zogen nach dem Event ein positives Fazit: „KOSMOS CHEMNITZ – WIR BLEIBEN MEHR hat gezeigt, wie relevant solch ein Angebot für den offenen gesellschaftlichen Diskurs und eine Stadt ist“. (EFH)

Fotos: Tim Kempe, Fabian Jugel, Jaris Klügl, Erik Frank Hoffmann

Danksagung - Ein Gedicht

Der Eisbär kämpft unerbittlich.
Es gibt kein´ Platz mehr zum stehn,
gar kein Eis mehr zu sehn.
Und er denkt sich:
„Danke lieber Mensch!“

Ein toter Hai liegt im Sand.
Die Kiemen voll Plastik,
am zu süßem Wasser erstickt.
Eine Angst, die er nicht gekannt.
„Danke lieber Mensch!“

Der Frosch ist gefangen.
Seine Heimat, der Regenwald, brennt,
weil jemand nur Profit kennt.
Und er schreit aus den Flammen:
„Danke lieber Mensch!“

Die Sonne scheint unbarmherzig herab.
Der Gärtner verzieht sein Gesicht.
Auf seinen Beeten wächst außer Disteln nichts.
Und so schaufelt der Mensch sich sein eigenes Grab.
„Danke lieber Mensch!“

©2019 SPM Gruppe. Zur Verfügung gestellt vom Autor. Eine Veröffentlichung unter der Angabe der Quelle ist erlaubt.

So war das #wirsindmehr Konzert gegen Fremdenhass in Chemnitz

von Erik Frank Hoffmann

Chemnitz. Am Montag fand in Chemnitz ein Konzert vieler bekannter Bands statt, welche sich gegen Faschismus ausgesprochen haben. 65 000 Zuschauerinnen und Zuschauer sind dem Aufruf gefolgt, zu dem #wirsindmehr Konzert nach Chemnitz zu kommen. In erster Linie ging es bei der Veranstaltung aber nicht um gute Musik, sondern darum, dass man dem Hass, der Hetze und dem Rassismus etwas entgegenstellt und auch Solidarität zeigt. Auf der vorhergehenden Pressekonferenz sagte Campino (Sänger der Band „Die Toten Hosen“): „Wir gehen davon aus, dass niemand von den Besuchern dieses Nachmittages davon ausgeht, dass es einfach nur ein Konzert ist mit schöner Musik, sondern dass jede Menge Subtext ist“.  „Wir sind nicht naiv. Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann die Welt gerettet hat und alle Probleme gelöst sind. Aber manchmal ist es wichtig und notwendig, dass man nicht so allein fühlt“, so Felix Brummer von Kraftklub. Monchi von Feine Sahne Fischfilet meinte: „Wir haben kein Bock darauf, dass hier irgend ein rassistischer Mob durch die Straße läuft. […] Und wir werden uns dagegen positionieren. Das kann natürlich nicht alles sein, aber geil, dass so viele Leute dabei sind“. „Was heute hier passiert wird immer in Verbindung mit Chemnitz stehen. Es ist auch ein Teil Musikgeschichte“, so der Rapper Materia. Das Konzert sollte in erster Linie die Chemnitzer Bevölkerung wieder aufbauen und alle wachrütteln, die gegen Hass und Hetze sind, um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es ist klar, dass dieses Konzert nicht sofort ein besseres Bild verschafft hat, aber es lässt sich sagen, dass es viele Menschen dazu gebracht hat auf die Straße zu gehen. Es zeigte einmal mehr, dass diejenigen, die sich gegen Hass, Faschismus, Hetze und Rassismus einsetzen mehr sind, wenn man sie richtig anspricht. Dies haben die Künstler am vergangenen Montag in Chemnitz geschafft. Jetzt dürfen sich die Menschen aber nicht wieder in ihren Häusern verstecken sondern müssen dran bleiben und weiter dafür kämpfen, dass alle Menschen gleich sind. „Ja, wir wissen dass einige nur wegen des Konzertes gekommen sind, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass demnächst ein paar mehr auf der Straße unterwegs sind, wenn erneut Neonazis und Rassisten aufmarschieren“, so der Veranstalter des Konzertes im Nachgang auf Facebook. Wir dürfen die Menschen nicht einteilen in Rechts oder Links, Schwarz oder Weiß, Ausländer oder Deutscher, nach der Abstammung, nach dem Geschlecht oder ihrer Sexualität. Es sind alles Menschen und sie gehören der selben Spezies an, wie du, der dies gerade liest. Darüber sollte man nachdenken, bevor man auf die Straße geht um für oder gegen etwas zu demonstrieren. Auch die Gewalt der extremen Gruppierungen ist keine Lösung für Konflikte! Abschließend teilte der Veranstalter in seinem Facebook-Post noch mit: „All den Leuten, die heute beim Konzert waren möchten wir sagen: Erhebt eure Stimme im Alltag, auf Demonstrationen und wenn ihr von außerhalb kommt, dann unterstützt die Menschen in den kleineren Städten und Provinzen, welche sich dort engagieren.“

Ein Gedicht zwischen Hoffen und Bangen - Reaktion auf die Ereignisse von Chemnitz

Ein freies Land,
der Wind weht sacht, doch im Innern sind die Menschen aufgebracht.
Auf Sturm stehen die Zeichen.
„Die Fremden sollen weichen.“
Die Gerechtigkeit leidet und jeder meidet
die, die anders aussehen;
lässt sie weiter im Regen stehen.

Was sind schon Grenzen? Schrift auf Papier!
Ein Symbol der Missgunst, des Neides, der Gier.
Was wollt ihr denn noch, ihr habt doch genug?
Tut euch zusammen, erst dann seid ihr klug!
Stärker ist man zusammen, so war’s schon immer.
Jeder allein schafft’s nie und nimmer!

Wir müssen es alle begreifen,
vom großen-ganzen gleichen.
Wir könnten nur hoffen und bangen,
die Politik stellt sich dabei befangen.
Eine Änderung im System muss her,
gemeinsam gegen Hass und Fremdenabwehr.

Das 20. Jahrhundert ist lange her.
Seine Ideologien betreffen uns nicht mehr.
Trotzdem handelt ihr nach ihnen.
Warum? Ihr müsst ihnen nicht mehr dienen!
Hass gegen andere, aus eigener Hand,
getarnt als Liebe zum Vaterland.
Bitte benutzt doch mal euren Verstand!
Damit lauft ihr noch gegen die Wand.

Wagt doch mal was,
geht auf Fremde und zu.
Und stellt fest:
Sie sind gar nicht anders als ich und du.

Und stellt euch die Frage:
Was würdet ihr tun in ihrer Lage?

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